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In welche Bereiche und Startups das Venture Cap fliesst – Die NOAH Disruptor List 2015

Game Changer in den Sektoren Mobilität, Versicherung, Finanzen und Retail ziehen aktuell am meisten Venture Cap an

Wie die NOAH Disruptor List 2015 zeigt, wurde 2015 am meisten in Disruptoren der Sektoren Mobilität, Versicherung & Finanzen sowie Retail/ Einzelhandel investiert. Dabei flossen rund ⅔ der investierten Geldern amerikanischen Startups zu. Insgesamt konnte Uber mit rund 5.9 Mrd. US-Dollar am meisten Venture Cap aufbringen. Es folgen der amerikanische Online-Kreditgeber Avant (1.6 Mrd. US-Dollar), das Social Network Pinterest (1.3 Mrd. US-Dollar) und das erste europäische Startup in der Liste, der Lieferdienst DeliveryHero, mit 1.3 Mrd. US-Dollar Kapitalzufluss.

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Mobile Mobilität

Der On-Demand-Taxi-Dienst Uber macht nicht nur ⅔ des total investierten Kapitals im Sektor Mobilität aus, sondern trägt auch massgeblich zur Veränderung dieses Sektors bei. So scheint in den letzten Jahren das Interesse und die Nachfrage nach On-Demand-Taxi-Diensten stark gestiegen zu sein. 2015 rangieren gleich fünf On-Demand-Taxi-Dienste in den Top Ten der europäischen Startups mit der grössten Kapitalbeschaffung. Von denen floss am meisten Start-up Kapital dem israelische Startup Gett zu. Wer sicher sein will, stilsicher anzukommen, der wird einen Fahrdienst über die Gett-App bestellen, denn das Unternehmen, welches bisweilen in den USA, UK, Israel und Russland tätig ist, fährt nur schwarze Autos mit der gratis Option zum SUV-Upgrade. Wie an der NOAH15 Berlin angekündet, sollen über die App bald auch weitere Dienste, die den Kunden das alltägliche Leben erleichtern, buchbar sein.

Eine weitere Veränderung im Bereich der Mobilität scheint es bei der Autovermietung zu geben. Wie Gero Graf, der Managing Director des französischen Startups Drivy, an der NOAH15 Berlin erklärte, soll die peer-to-peer-Autovermietung eine Alternative zur traditionellen Autovermietung (z.B. Sixt) und den Carsharing-Diensten wie Mobility werden. Ziel ist es, Autobesitzer, die ihr Auto nicht immer brauchen, mit Mietinteressenten, die ein Auto für einen Ausflug ins Möbelhaus oder ein Wochenende in den Bergen benötigen, zusammenzuführen. Über die App kann man ein passendes Auto in der Nähe suchen, welches man für mindestens einen Tag mieten kann. Auch die beiden amerikanischen Startups RelayRides und getaround bieten solche peer-to-peer-Autovermietungsservices an.

Es scheint eine Frage der Zeit zu sein, bis sich On-Demand-Taxi-Dienst und peer-to-peer-Autovermietungen auch in der Schweiz etablieren und den altbewährten Taxi-Unternehmen, Autovermietungen und Carsharing-Plattformen das Leben schwer machen werden.

 

Zeit ist Geld

Im Sektor Versicherungen & Finanzen wurde vor allem im Startups aus dem Bereich Online Payment und Online Credit Systems, sowie Mobile Payment investiert. Oftmals bieten diese Unternehmen Lösungen für Online-Bezahl-Systeme in einem Onlineshop, aber auch Mobile-Bezahl-Systeme im Laden selber an. Am meisten Kapital erhielt mit 1.6 Mrd. US-Dollar das amerikanische Startup Avant. Das Unternehmen bietet Online-Darlehen an und handelt somit auf dem Markt der traditionellen Banken mit. Nochmals einen Schritt weiter geht das deutsche Startup number26. Nebst Onlinebanking per App auf Smartphone und Computer, Mobile Payment per Mail oder SMS kann man bei number26 in nur wenigen Minuten (laut ihrer Website in 8 Minuten) bequem online über Verifizierung per Videotelefonat ein Konto eröffnen. Damit deckt das Unternehmen vor allem das Bedürfnis der jüngeren Generation, alles bequem und schnell per Smartphone zu erledigen und könnte das Ende des traditionellen Girokontos bei der lokalen Bank sein.

 

Das Smartphone als Fitnesscoach

Dem Bereich Fitness, Wearables & Sport flossen 2015 rund 2.3 Milliarden US-Dollar zu. Auffallend ist, dass relativ viele Unternehmen, die Health Tracking Devices anbieten, vertreten sind. Dazu gehören etwa Jawbone, fitbit, Runtastic oder Withings, welche auch kabellose Blutdruckmessgeräte und die intelligente Waage mitanbieten. Die Health Tracking Devises können mit dem Computer oder Smartphone verbunden werden und dank Apps wie UP von Jawbone lassen sich die Daten einfach speichern und analysieren. So wird es für immer mehr Menschen möglich, ihre eigene Fitness und Gesundheit spielerisch leicht zu überwachen und dank hilfreichen Tipps zu verbessern. Mit 519 Mio. US-Dollar zusätzlichem Start-up Kapital ist Jawbone ganz klar der Gewinner unter den Health Tracking Devices Anbietern, es folgen fitbit und das französische Unternehmen Withings mit jeweils 84 Mio. beziehungsweise 34 Mio. US-Dollar.

 

Das Smart Home wird Realität

Nebst Fitness Coach und Online-Bank soll das Smartphone bald auch zur Fern- und Kontrollbedienung für das eigene Haus werden. Es geht darum, das Smart-Home/ Internet der Dinge zu kreieren, also die Haushaltgegenstände mit dem Internet zu verbinden und so Ressourcen wie Zeit und Geld zu sparen. Im Sektor HomeAutomation konnte das amerikanische Unternehmen Sonos am meisten Kapital aufbringen (454 Mio. US-Dollar). Sonos bietet ein Soundsystem an, das einfach über eine App steuerbar ist. Im Moment wird auch besonders in viele Unternehmen investiert, die sich mit dem Thema Energie-und Wasserverbrauch sowie Sicherheit beschäftigen. So erhielt etwa das europäische Tado rund 16 Mio. US-Dollar von den Kapitalgebern. Wie Google Nest bietet Tado einen intelligenten Thermostat, der es einem ermöglicht, die Temperatur des Hauses aus der Ferne über das Smartphone zu regulieren. Ausserdem erkennt der Thermostat, wenn niemand zu Hause ist und heizt dann automatisch weniger.

 

E-Learning – das Ende der Schulbücher?

In Startups aus dem Bereich der Bildung wurde 2015 weniger investiert, allerdings fällt auch hier auf, dass europäischen Start-ups deutlich weniger Kapital zukommt, als amerikanischen. Mit rund 216 Mio. US-Dollar wurde am meisten in das 2000 gegründete Unternehmen 2U investiert. 2U bietet zusammen mit Amerikanischen Colleges und Universitäten Online-Degree-Programme an, wobei sie nicht die Diplome selbst anbieten, sondern den Schulen eine Plattform für solche Online-Kurse zur Verfügung stellen. Auch das europäische Startup Bettermarks bietet ein innovatives Online-Learning-Angebot an, welches in den Schulalltag integrierbar ist. Anlässlich der NOAH15 Berlin präsentierte Bettermarks seine Lern-Plattform rund um das Thema Mathematik. Über die Plattform sollen nicht nur individuelle Matheprobleme gelöst werden können, Bettermarks soll auch in den Klassenunterricht integriert werden und eine Ergänzung oder gar Alternative zu den herkömmlichen Mathebüchern und Aufgabenblättern darstellen. Eine (bessere) Alternative als Schulbücher zur Verfügung stellen, will auch das amerikanische Startup Knewton, welches rund 105 Mio. US-Dollar Kapitalzufluss verzeichnen konnte. Die Online-Lern-Plattform reagiert auf das Bedürfnis des individualisierten Lernens. Aufgaben und Theorie werden je nach Benutzer anders formuliert mit dem Ziel, die bestmögliche Lehr-und Lernmethodik für den einzelnen anzuwenden.

 

Veränderungen rechtzeitig erkennen

Die Digitalisierung hat mittlerweile alle Branchen erfasst. Betrachtet man die NOAH Disruptor List 2015, haben besonders die Sektoren Mobilität und Versicherungen & Finanzen mit starken Veränderungen zu kämpfen. Startups mit neuartigen, mobilbasierten Lösungen verdrängen in einer Zeit, in der Smartphones immer mehr zum wichtigsten Weggefährten des Menschen werden, je länger je mehr die bestehenden Marktteilhaber vom Feld. Wie steht es mit Ihrer Branche – wissen Sie, welches die potentiellen Disruptoren für Ihr Business sind? Unser Y&R Game Changer Workshop könnte Ihnen dabei helfen, die relevanten disruptiven Innovationen zu identifizieren und daraus rechtzeitig die bestmögliche Lösung für Ihr Unternehmen abzuleiten.

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Y&R Trend-Studie «In 10 Years»: Von vernetzten Häusern und Robotern

Wie wird sich die Welt in den nächsten 10 Jahren verändern? Welche Technologien setzen sich durch? Was werden wir in Zukunft konsumieren, wie werden wir interagieren? Die Y&R Group Switzerland hat über 1’200 Personen auf der ganzen Welt nach ihrer persönlichen Einschätzung befragt. In diesem Artikel stellen wir Ihnen ausgewählte Resultate aus dem Themenkreis «Technologien» vor.

Home Smart Home

Beim Thema «Connected Homes» herrscht Einigkeit – dies zeigt die Y&R Trend-Studie «In 10 years from now». 72% der Befragten sind überzeugt, dass wir 2025 in vollständig vernetzten Häusern leben werden. Bereits heute gibt es zahlreiche Produkte für das «smarte» Zuhause: Google Nest bietet vernetzte, selbstlernende Raumthermostaten und Rauchmelder. Amazon Echo reagiert auf Kommandos und beantwortet Fragen. Der WeMo Insight Switch ermöglicht es, von überall aus Geräte im Haushalt ein- und auszuschalten. Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer geht sogar noch einen Schritt weiter: 73% vertreten die Meinung, dass in 10 Jahren nicht nur das Zuhause, sondern sämtliche Dinge des täglichen Lebens über das Internet miteinander verbunden sein werden.

Home Robots

Dank Robotern nie mehr fegen und schrubben? Erst 34% der befragten Personen glauben, dass Roboter in 10 Jahren zum Standard im Haushalt gehören. Ein deutlicher Unterschied zeigt sich jedoch zwischen den Geschlechtern. Während 28% der befragten Frauen sich dieses Zukunftsszenario vorstellen können, sind es bei den Männern mit 41% deutlich mehr. Ob diese optimistischere Einstellung der männlichen Umfrageteilnehmer auf technischem Wissen basiert oder vielmehr die Hoffnung widerspiegelt, dass ihnen Roboter künftig die Alltagslasten im Haushalt abnehmen, sei dahingestellt. Fakt ist: Schon heute gibt es Roboter, welche uns den Alltag erleichtern, wie z.B. die Staubsauger– oder Rasenmäher-Roboter. Ob sich in den nächsten 10 Jahren auch humanoide Roboter wie z.B. ASIMO durchsetzen werden, wird sich zeigen. Schaut man sich die Fähigkeiten dieser Roboter auf YouTube an, so scheint diese Zukunft aber bereits ziemlich nahe.

Print at Home

3D-Drucker sind gegenwärtig ein stark diskutiertes Thema. Der Technologie wird sogar ein disruptives Potential attestiert. Die Befragten der Y&R Studie «In 10 years from now» glauben aber noch nicht so richtig an die neuen Möglichkeiten, zumindest nicht für den Privatgebrauch. Nur gerade mal 34% sind der Ansicht, dass wir in 10 Jahren Alltagsgegenstände (z.B. Zahnbürsten, Ersatzteile) nicht mehr im Laden kaufen, sondern zuhause mit einem 3D-Drucker selbst herstellen werden.

Eher skeptisch stehen die Umfrageteilnehmer auch dem Szenario gegenüber, dass wir in naher Zukunft mit Hilfe unserer Gedanken im Internet surfen: 59% lehnen diese Aussage ab. Am optimistischsten ist man in Asien, wo nur 43% diese Aussage ablehnen. Zum Vergleich: In Europa sind es 61%, in Nordamerika gar 66%.

Homeland Security

Wird die Welt durch die Vernetzung und die technologische Intelligenz sicherer? Können durch datenbasierte Frühwarnsysteme Katastrophen verhindert werden? Diesem Szenario stehen die Befragten noch skeptisch gegenüber. Nur 42% stimmen dieser Aussage zu. Interessanterweise findet sich die höchste Zustimmung nicht in Nordamerika, sondern in Asien: 56% der Asiaten glauben an eine datengetriebene Verbesserung der Sicherheit, bei den Amerikanern sind es mit 34% deutlich weniger.

Den Flyer mit weiteren Daten und Themen zur Zukunft im Jahr 2025 können Sie hier herunterladen.

Multiethnic Group of People Socail Networking at Cafe

Sharing, Caring und Cybersex – Social Life in 2025

Facebook verliert an Dominanz.

In 10 Jahren, genauer gesagt im Jahr 2025, könnte Facebook Geschichte sein. Gemäss der weltweiten Y&R Trend Umfrage „In 10 years from now…“ denken ganze 61% der Teilnehmer, dass Facebook in 10 Jahren nicht mehr die dominierende Social Media Plattform sein wird. Dieser Meinung sind insbesondere Personen unter 40 Jahren. 60% geben an, dass Facebook in den nächsten 10 Jahren an Dominanz verlieren wird. Die stärkste Unterstützung hat Facebook noch bei den Befragten im Alter zwischen 40 und 55 Jahren. In diesem Segment sind 49% der Ansicht, dass Facebook auch 2025 die meist genutzte soziale Plattform sein wird.

Gut möglich, dass sich diese Tendenz für Facebook bewahrheitet. Bei den jüngeren Generationen verliert Facebook immer mehr an Relevanz. Gemäss Stefan Aufenanger, Professor für Medienpädagogik an der Mainzer Johannes Gutenberg Universität liegt das am Bedürfnis der Jugendlichen, unter sich in ihrer eigenen Community bleiben zu wollen. Da auf Facebook viele Early Adapter mittlerweile über 30 Jahre sind und das grösste Wachstum bei älteren Personen festzustellen ist, verliert die soziale Plattform für die Teens an Attraktivität. Sie orientieren sich an neuen sozialen Plattformen, wie Instagram, Snapchat und WhatsApp.

Unabhängig davon, auf welchen sozialen Plattformen wir uns in 10 Jahren aufhalten werden, 52% der Befragten glauben nicht an den positiven Einfluss von sozialen Netzwerken auf reale Beziehungen. Dem gegenüber steht aber der Umstand, dass immer mehr Senioren Plattformen wie Facebook nutzen, um mit Freunden, Familie und Enkeln in Kontakt zu bleiben.

Cybersex als Beziehungs-Killer

Geht es nach den Asiaten, nutzen die Menschen das Internet künftig nicht nur, um miteinander in Kontakt zu bleiben, sondern auch, um andere Bedürfnisse aktiver zu befriedigen. Für die Asiaten könnte sich das Web gar zum Beziehungskiller entwickeln. Ganze 42% von ihnen sind der Meinung, dass der Single-Anteil in der Bevölkerung in 10 Jahren aufgrund von Cybersex deutlich grösser sein wird. In einer Welt, in der Airsex-Praktiken schon jetzt wettkampfmässig gemessen werden, kann man(n) auch mal den Fokus verlieren.

Real-Time Translation als Beziehungs-Enabler

Weg vom Beziehungskillern zu Beziehungsenablern: Ganze 81% der Befragten halten die Verständigung mittels eines Realtime-Übersetzungscomputers im Jahr 2025 für durchaus möglich. Mit dieser Vermutung liegen die Respondenten gar nicht so falsch, denn erste Prototypen zur Umsetzung einer solchen Kommunikationstechnik existieren bereits.

Sharing is Caring or Cashing

Künftig wird uns auch der Trend des Güterteilens beschäftigen. Während in Europa 69% der Befragten der Ansicht sind, dass die Share Economy die Wirtschaft stark beeinflussen wird, ist die Zustimmung in Amerika mit 56% noch deutlich tiefer. Während sich in der Schweiz dank Mobility das Car Sharing schon sehr gut etabliert hat, bewegt sich der Markt aber langsam auch in den USA. Unternehmen wie Carpoolworld und ridejoy sind eine effektive Antwort auf Massnahmen, wie die Carpool Lanes.

Doch nicht nur in der Fortbewegung hat der Sharing Trend seine Spuren hinterlassen. Heutzutage leiht man Parkplätze auf parkatmyhouse.com für das auf RelayRides geliehene Auto oder man macht mit Hilfe von Airbnb Ferien in geliehenen Wohnungen. Und falls beim Objekt etwas kaputt geht, leiht man sich via Zilok.com die nötigen Hilfsmittel zur Reparatur beim Nachbar.

Wir dürfen gespannt sein, was letztlich eintreffen wird und welche Überraschungen die Zukunft sonst noch so bringt…

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Disruptive Geschäftsmodelle für jeden Geschmack…

Shake Shack verdrängt den Big Mac.

Im Technologiebereich – oder zumindest bei seinen Anwendungen – ist immer wieder von disruptiven Ansätzen zu hören. Diese umwälzenden Ideen können vom Taxidienst bis zum Übernachtungsportal alles betreffen. Ich denke aber, dass es noch weitere Faktoren gibt, die eine solche Umwälzung bedingen können. Dabei sollte man sich dann auch die betroffenen Technologien noch einmal genauer anschauen und analysieren, worin die Umwälzung eigentlich besteht …

Dieser Gedanke ist mir gekommen, als ich vom enormen Erfolg des Börsengangs von Shake Shack in den USA hörte. Shake Shack ging an die Börse und verbuchte an seinem ersten Handelstag einen Kursanstieg um etwa 120 %. Damit wir uns richtig verstehen: Dabei handelt es sich keineswegs um einen der üblichen Börsenstarts des Technologiesektors, von denen man später nie mehr etwas hört. Und der Börsenkurs kann auch nicht mit dem von Uber mithalten … Trotzdem lohnt es sich, den Erfolg von Shake Shack einmal näher zu beleuchten, um zu verstehen, warum es sich dabei tatsächlich um eine disruptive Geschäftsidee handelt, die McDonald’s zweifellos gut im Auge behält – auch wenn sie natürlich noch lange keine echte Konkurrenz darstellt und es vielleicht auch niemals sein wird.

Wie disruptiv ist Shake Shack?

Was ich daran auch interessant finde, ist, dass Shake Shack im Gegensatz zu McDonald’s und den anderen Fast-Food-Riesen für die nicht gleichbleibende Beschaffenheit seiner Speisen kritisiert wurde – was sich kaum vermeiden lässt, da frische Zutaten bei der Bestellung direkt zubereitet werden. Das kostet im Schnitt doppelt so viel wie ein Menü von McDonald’s. Aber immerhin: Das Essen ist genauso ungesund. Es ist dem Unternehmen gelungen, einen solchen Medienrummel auszulösen, dass es bereits als neuer Global Player gesehen wird, wobei Danny Meyer, der das Konzept vor wenigen Jahren an einem Hotdog-Stand entwickelt hat, bereits als Unternehmer vom Format eines Mark Zuckerberg gehandelt wird.

Die Altersgruppe der 55- bis 64 ist unternehmerisch am aktivsten

Und genau das können wir daraus lernen: Unternehmer und ihre Ideen können in jeder Variante und Grössenordnung auftreten. Und zwar in jeder Altersklasse. Der Kauffman Foundation for Entrepreneurship zufolge entfielen – entgegen der landläufigen Meinung – im letzten Jahrzehnt die meisten unternehmerischen Aktivitäten (in den USA) auf die Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen. Übrigens empfehle ich Ihnen in diesem Zusammenhang, sich einmal die weltweiten WeWork-Communities anzuschauen (die sind wirklich fantastisch!), in denen wirklich alle Altersgruppen und Unternehmensarten vertreten sind.

Wo Unternehmertum am positivsten gesehen wird

Unternehmer gibt es in allen Variationen. Wie es Howard Stevenson, Harvard-Professor für Unternehmertum, formulierte: «Die Unternehmer, die ich kenne, sind alle ganz unterschiedliche Typen – vom scheuen Mauerblümchen bis zum ausgeflippten Chaoten.» Und man kann Unternehmer in der ganzen Welt finden. Dem neuesten Global Entrepreneurship Monitor zufolge hatte Kolumbien den höchsten Anteil an Personen mit unternehmerischen Ambitionen, und die Brasilianer hatten die positivste Einstellung zum Unternehmertum als guter Berufswahl, gefolgt von Polen und China.

Innovationen haben nicht immer mit Technologie zu tun

Wir werden derart mit stratosphärischen Beurteilungen und Lobhudeleien zu den neuesten und tollsten technischen Anwendungen und immer neuen angeblich disruptiven Ansätzen überschwemmt, dass wir aus den Augen verlieren – sofern wir überhaupt je eine Vorstellung davon hatten –, welche kreativen, inspirierten und visionären Innovationen ein Restaurant oder Café, ein Laden oder sonst ein raffinierter Service oder ein konkretes Produkt bieten könnten. Und es gibt so viele davon!

Solche Umwälzungen können aus Kultur, Service, Arbeitsethik, Bündelung, intelligenter Raumnutzung und wohl einem Dutzend weiterer Faktoren hervorgehen. In der Tat ist das, was wir als disruptive Technologien betrachten, oft nur die Nutzung einer Technologie, also in Wirklichkeit eher eine Veränderung im Serviceniveau und eine Neugestaltung des Geschäftsplans. Jeder von uns kann als Unternehmer solche Umwälzungen bewirken. Dabei kommt es nicht darauf an, wie viel Geld im Spiel ist, was irgendein Digibabble-Experte schreibt oder wie viele Apps am ersten Tag heruntergeladen wurden. Irgendwann wird vielleicht auch noch gezählt, wie viele Hamburger verdrückt wurden.

Jeder von uns ist ein Unternehmer

Ich würde sogar noch weiter gehen. Und zwar: Ich denke, dass heute jeder von uns ein Unternehmer ist, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht. – Reid Hoffman

Damit wir uns richtig verstehen: Wir nutzen immer dann einen disruptiven Ansatz, wenn wir mit Uber fahren oder eine Kinoeintrittskarte über unser Smartphone kaufen oder sonstige Apps nutzen, um uns das Leben zu erleichtern. Tatsächlich sind wir alle disruptiv und unternehmerisch tätig … Wir lösen Probleme, wir nutzen unseren Verstand, um uns an veränderte Bedingungen anzupassen und mit der Welt zu interagieren … indem wir Hamburger essen. Geniessen Sie also Ihren neuen Status als Unternehmer – aber warten Sie mit dem Kauf Ihres Porsche besser noch ab …

von David Sable, Global CEO Y&R

Kundenservice-Konzept

Ein neues Konzept für Kundenservice und personalisierte Kundenerfahrungen

Stellen Sie sich vor, Sie gehen Klamotten einkaufen …

Und sie haben nun die Möglichkeit, Geld zu sparen, indem Sie eine viel zu enge Hose kaufen. Oder aber Sie wählen eine Hose mit etwas mehr Stoff, die angenehm sitzt, für die sie aber mehr zahlen müssen. Und wenn Sie wollen – aber wirklich nur dann –, können Sie Ihre Hose auch noch weiter personalisieren. Knöpfe und Reissverschluss kosten nämlich jetzt extra, aber wie gesagt, nur, wenn Sie wirklich wollen … Und jetzt aufgepasst! Sie können sogar noch mehr Extras haben: Sie wollen Ihre Hose sauber gefaltet und ordentlich eingepackt? Kein Problem, kostet aber extra. Was für ein Konzept! Auf den ersten Blick dreht sich bei diesem brillanten Konzept unter dem Motto «Aber nur, wenn Sie wollen» alles nur um Sie! Schliesslich haben Sie die freie Wahl – flexibel, bequem, kostengünstig. Das ein oder andere Extra werden Sie sich schon gönnen …

Werden Marken irrelevant?

Auch die Wall Street liebt das neue Konzept! Dort ist man nämlich schon lange der Meinung, Unternehmen seien heute «viel zu markenbewusst und kundenorientiert». Der Kunde soll sich mehr auf sich selbst konzentrieren. Das mit den Marken erledigt sich ohnehin von selbst: Weil Unternehmenszusammenschlüsse gerade besonders lukrativ sind, werden viele Marken einfach aus dem Geschäft fusioniert … Investieren Sie jetzt!!!

Sie denken jetzt bestimmt, ich wäre unter die Aktienhändler gegangen oder hätte ein paar Gläser Eierpunsch oder Bloody-Mary zu viel. Aber um ehrlich zu sein war ich hier nur so frei, einen absolut lesenswerten Artikel von Tim Wu aus der New Yorker-Ausgabe vom 26. Dezember leicht abgewandelt zu plagiarisieren. Der Titel lautete: «Warum Airlines uns leiden sehen wollen». Aufmerksam wurde ich auf den Artikel durch meinen guten Freund John Gerzema, eine Quelle schier unerschöpflichen Wissens.

Ist der Fokus auf Unternehmensgewinne ein Innovationstreiber?

Ich möchte Ihnen diesen Artikel wirklich ans Herz legen, weil er, wie ich finde, etwas beschreibt, das weit über die typischen Reise-Reinfälle hinausgeht, die wir alle schon mal erlebt haben, und sehr treffend auf den Punkt bringt, was an unserer heutigen Sichtweise auf die Geschäftswelt und an der Rolle der Kapitalmärkte nicht stimmt. Ich würde sogar behaupten, dass es gerade der dort beschriebene ausschliessliche Fokus auf Unternehmensgewinne ist, der Digibabble und weltverändernde Entwicklungen im Bereich der angewandten und neuen Technologien am Leben hält.

Wird Kundenorientierung bestraft?

Wu sagt: «Wenn eine Airline wie JetBlue für den Versuch bestraft wird, ihre Passagiere anständig zu behandeln, dann läuft etwas grundlegend falsch.» Da hat er ohne Zweifel recht … Es wird in letzter Zeit viel darüber geschrieben, dass Marken in der digitalen Welt an Bedeutung verlören – BLÖDSINN! Der Witz ist, dass gerade die, die uns das erzählen, ganz unverblümt selbst gewinnbringend Marken zur Schau stellen und promoten. Ich behaupte, Marken waren noch nie bedeutsamer als heute. Die Wall Street und all diejenigen, die meinen, Unternehmen seien «viel zu markenbewusst und kundenorientiert», scheinen das wichtigste Element des Branding zu vergessen, den entscheidenden Faktor, der den Wert einer Marke auch dann noch oben hält, wenn andere schon längst wieder untergegangen sind …

Der Schlüssel ist das Vertrauen!

Ein Beispiel: «Erfolgreiche Unternehmen mit einer auf Dauer angelegten Marke profitieren von einer emotionalen Bindung zum Kunden, die keine Grenzen kennt. Diese emotionale Bindung ist ihr wichtigster Trumpf und Vertrauen der Schlüssel.» – Howard Schultz

Vertrauen – nicht Werbung, nicht Promotion, nicht Marketing, nicht Preiskampf – VERTRAUEN … Und davon gibt es viel zu wenig in unserer Welt. Mein Ziel ist es daher: Am Vertrauen arbeiten und meinen Freunden und Kunden dabei helfen, dies ebenfalls zu tun. Vertrauen überwindet alle Hindernisse, aber man muss es sich verdienen, hart dafür arbeiten und daran glauben. Die Alternative wäre, absichtlich schlecht zu investieren – in den neuen Personalisierungstrend …

von David Sable, Global CEO Y&R

Game Changer in der Versicherungsbranche

Das Ende des marklergetriebenen Versicherungsgeschläft

Game Changer in der Versicherungsbranche.

Bis jetzt hat sich in der Versicherungsbranche der Grundsatz «Versicherungen werden verkauft und nicht gekauft» hartnäckig gehalten. Big Data Analysis und veränderte Kundenbedürfnisse zwingen zu einem Umdenken.

Jedem Kunden seine Versicherung

Big Data ist in der Regel an kürzlich geschehene Ereignisse gebunden. Neue Programme und Tools ermöglichen der Versicherungsbranche heute, rasch Produkte neu zu definieren und diese auf Kundenbedürfnisse zuzuschneiden. SAP in-memory erlaubt es beispielsweise, Analysen bis zu 1000 Mal schneller durchzuführen. Die Kunst liegt darin, die grossen Datenmengen auf ein auswertbares Set zu reduzieren, auf dessen Grundlage sich Handlungsoptionen für Kunden und Versicherer ableiten lassen.

Ernteversicherung basierend auf Wetterdaten

Ein Unternehmen, das diesen Prozess optimiert hat, ist The Climate Corporation (siehe Video unten). Die Firma hat erkannt, wie Wetter und Ernteverluste zusammenhängen und versichert gegen letztere. The Climate Corporation analysiert dazu Umgebungseigenschaften über Satellit und installierte Sensoren. Diese Informationen werden dann genutzt, um individuelle Risikoprofile zu generieren und dem jeweiligen Farmer per App auf dem Smartphone oder Tablet verfügbar gemacht, sodass dieser effektiv auf Wetterwechsel reagieren und seine Verluste minimieren kann. Der Erfolg des Geschäftsmodells spricht für sich: The Climate Corporation wurde 2013 für 930 Millionen USD von Monsanto akquiriert.

Wer profitieren will, muss mehr von sich preisgeben

Big Data birgt das Potenzial in sich, das Kundenverhalten genauer und schneller zu analysieren und Produkte besser an die jeweiligen Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Für den Kunden selbst hat das Vor- und Nachteile. Nur wer bereit ist, mehr Daten von sich preiszugeben, erhält im Gegenzug eine Chance auf eine tiefere Prämie. Diese Entwicklung im Markt beschreibt der 2b AHEAD ThinkTank in der Studie «Versicherungen 2020: Kunden, Makler und Changeprozesse».

Laut dieser Studie werde das klassische maklergetriebene Versicherungsgeschäft zunehmend verdrängt und im Gegenzug das Premium- und Economy-Segment weiter wachsen (Siehe Grafik unten). Im Premium-Bereich erhält der Kunde in Zukunft vermehrt auf ihn zugeschnittene, personalisierte Versicherungsprodukte und eine dazu passende, individuelle Beratung. Die Entwicklung im Economy-Bereich deute darauf hin, dass primär Basis-Versicherungen abgeschlossen werden: Der Kunde informiert sich online, gibt persönliche Daten preis und erhält dafür ein kostenoptimiertes Produkt.

Über 50 Prozent der Versicherungsnehmer informieren sich online

Versicherungen - Veränderungen in den Segmenten

Versicherungen – Veränderungen in den Segmenten

Die veränderten Kundenbedürfnisse spiegeln sich auch im veränderten Mediennutzungsverhalten. Laut aktuellen Zahlen aus dem Media Use Index 2014 informieren sich bereits 50% der Versicherungsnehmer über die Webseiten der Anbieter oder über Online-Vergleichsdienste, wohingegen sich noch 26% über den klassischen Kanal des Kundenberaters informieren lassen. Jede vierte Krankenversicherung wird heute online abgeschlossen.

Das Start-up Friendsurance aus Deutschland hat diese Trends erkannt und bietet auf seiner Onlineplattform interessenspezifische Versicherungen an. Schliesst man sich einem solchen Interessenspool an, profitiert man von tieferen Prämien. Der ganze Informations- und Beratungsprozess findet zudem online statt. Andere Beispiele findet man in der Autoversicherungsbranche. Hier wird das Fahrverhalten analysiert und dementsprechend die Prämie individuell berechnet.

Strategische Wettbewerbsvorteile nutzen

Es zeichnet sich alsoab, dass Big Data und das veränderte Mediennutzungsverhalten enorme Potenziale bieten und den Markt in den nächsten paar Jahren verändern werden. Wie immer gilt: Wer diese erkennt und schneller umsetzt, besitzt einen strategischen Wettbewerbsvorteil.

Der Grösste Game Changer Im E-Commerce…

Wie können Sie Ihre Conversion-Rates boosten?

Vielleicht mit Big Data, die in Echtzeit aus mehreren Quellen bezogen und durch leistungsfähige Programme gejagt werden, um Ihnen anschliessend Produkte aufbauend darauf zu empfehlen, wo Sie sich gerade befinden, was Sie in der Vergangenheit gekauft haben, was Menschen wie Sie derzeit bevorzugt kaufen, wie das Wetter gerade ist und wie Ihre Reisepläne und Kreditwürdigkeit aussehen … um nur einige der möglichen Faktoren zu nennen? Oder doch eher persönliche Daten, die mithilfe Ihrer E-Mails, Tweets, Facebook-Beiträge, verschickten Nachrichten oder Konten bei Instagram und Snapchat gesammelt wurden? Vielleicht aber auch einfach nur Daten darüber, was Sie sich gerade angeschaut haben, um Ihre Aufmerksamkeit immer wieder darauf zu lenken, ganz egal, welche Webseiten Sie auch aufrufen? Was glauben Sie?

Kostenloser Versand

Ist es Antwort Nummer eins? Treffen mehrere Antworten zu? Gar keine? Oder vielleicht sogar alle? Wenn Sie sich für «gar keine» entschieden haben, denken Sie auf jeden Fall schon mal in die richtige Richtung – denn den einen universellen Algorithmus gibt es nicht. Fehlanzeige … Vielmehr ist es das neueste und mächtigste Werkzeug des digitalen E-Commerce-Zeitalters: Kostenloser Versand. Sie haben richtig gehört – Kostenloser Versand … Eine Innovation unserer Zeit, die die Beziehung des Kunden zum Händler auf magische und nachhaltige Weise verändert und die ach so wichtige Konversionsrate in die Höhe schnellen lässt. Sie ermöglicht es, dass mehr Transaktionen abgeschlossen werden und weniger Waren in den Online-Einkaufswagen vermodern. Wenn Sie hier einen leichten Sarkasmus heraushören, sind Sie noch lange kein Sherlock Holmes – um genau zu sein, liegen Sie sogar zu 100 % falsch und daneben. Leichter Sarkasmus? Keinesfalls. Abgrundtiefer und empörter Sarkasmus? Ja, schon eher. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass der Anteil an Digibabble, den die Analysten in ihre Beschreibungen des kostenlosen Versands einfliessen lassen, über alles hinausgeht, was ich jemals zuvor gesehen habe.

Kunden gewöhnen sich schnell

Vor nur wenigen Monaten berichtete das Wall Street Journal Folgendes: «Der kostenlose Versand war in der Anfangszeit des E-Commerce eigentlich nur als ein vorübergehender Anreiz gedacht, aber mittlerweile erwarten die Kunden diesen Service und fordern ihn sogar ein.» Das Wall Street Journal berichtete weiter: «In einer aktuellen Umfrage gab von 5 800 in den USA befragten Online-Shoppern die Hälfte an, dass sie eine Bestellung abbrechen würden, wenn diese nicht kostenlos versendet wird. Ausserdem bieten heutzutage fast 90 % der Einzelhändler irgendeine Art des kostenlosen Versands an – vor zwei Jahren waren es lediglich 65 %.»

Versand als Profitbereich

Als jemand, der zu den ersten Online-Händlern gehörte und Umsätze mithilfe sowohl des katalogbasierten als auch des digitalen Vertriebs erzielte, kann ich Ihnen sagen, dass Direktvertreiber den Versand sehr lange Zeit als einen Profitbereich angesehen haben. Tatsächlich war es so, dass viele der Produkte, die als kostenlos oder im Rahmen eines Sonderangebots («2 für 1») beworben wurden, den Verkäufern aufgrund der Versandkosten erhebliche Gewinnmargen einbrachten. Und natürlich waren auch die mit einer Rücksendung verbundenen Kosten immer ein Grund, den Kauf nicht zu tätigen. Deshalb begannen die Kataloghändler damit, kostenlose Rücksendungen anzubieten, die selbstverständlich durch die allgemeinen Versandkosten finanziert wurden. Nur damit wir uns richtig verstehen – das Problem ist auf das grundlegende Geschäftsmodell zurückzuführen. Die Margen sind gering, Rücksendungen und die Bestandshaltung kosten Geld und der Versand bot eben einen Ausweg. Wenn man die Produkte zu noch geringeren Margen verkaufen würde, wäre am Ende häufig gar kein Profit mehr übrig.

Profite verschwinden

«Die Online-Shopping-Seite Zappos gehörte zu den ersten Seiten, die einen kostenlosen Versand anboten, allerdings war dies als eine Überraschung für ausgewählte Kunden gedacht», so Carol Spieckerman, Einzelhandelsberaterin bei dem Unternehmen New Market Builders in Bentonville. Sie fährt fort: «Die Kunden gingen sehr schnell dazu über, diesen Service vorauszusetzen … Zu einem echten Paradigmenwechsel kommt es jedoch erst, wenn Einzelhändler wie Wal-Mart dies anbieten … Über kurz oder lang wird der Versand kein gewinnbringender Bereich mehr für den Einzelhandel sein … Sowohl Online-Shops als auch konventionelle Geschäfte werden sich der wichtigen Herausforderung gegenübersehen, eine Art übergangslosen und vermischten Vertriebskanal auf die Beine zu stellen.»

Versandkosten als Hinderungsgrund

Lee Peterson, Executive Vice President für den Geschäftsbereich Creative Service bei WD Partners in Dublin, Ohio, sagte, dass Versandkosten aus dem Blickwinkel des Kunden schon immer als «Hinderungsgrund» wahrgenommen wurden. Die Kunden sind schlau genug, um zu wissen, dass die Versandkosten eines in China hergestellten Produkts im Laden auf den Preis aufgeschlagen werden. Wenn man den Kunden die Versandkosten jedoch abnimmt, dürfte die Zahl der Online-Einkäufe wahrscheinlich sogar noch schneller steigen. Peterson sagte ausserdem, dass die Einzelhändler ihre Margen in anderen Kategorien als denen ihrer «kostenlos» versandten Artikel erzielen können: «Die Kunden hören es zudem überhaupt nicht gern, wenn man ihnen sagt: ‹Ich werde Ihnen diese Dinge in Rechnung stellen, obwohl sie für Sie bisher immer kostenlos waren›. Die Einzelhändler können die Kosten in den Preis einfliessen lassen, genau so, wie sie es derzeit schon mit den Mastercard- oder Visa-Gebühren machen.»

Die Zukunft des Detailhandels

Man lässt die Kosten also einfach einfliessen und erhöht eben die Preise, denn dann ist es nicht wirklich kostenlos. Wie heisst es doch so schön: «Die Dummen sterben eben nie aus.» Scott Galloway ist ein Professor an der New York University und zudem ein grossartiger Zyniker, den ich sehr bewundere. Seine Meinung über die aktuellen E-Commerce-Handelspraktiken fällt denkbar einfach aus:  «Wir glauben, dass der Einzelhandel, so wie wir ihn kennen, verschwinden wird. E-Commerce-Unternehmen werden entweder Filialen eröffnen oder pleitegehen und Einzelhändler müssen sich hervorragend mit dem digitalen Vertrieb auskennen oder es wird ihnen genauso ergehen … Fab, Gilt, Net-a-Porter – das sind alles fantastische Unternehmen, aber sobald die VC-Community das Interesse an ihren charismatischen Gründern verliert, werden sie feststellen, dass ihre Geschäftsmodelle nicht funktionieren, und pleitegehen … oder Filialen eröffnen.» Und im Hinblick auf unsere Diskussion über die Versandgebühren weist er auf das Folgende hin: «Wir haben den Schwachpunkt von Amazon offengelegt – die Versandkosten explodieren und sind nicht tragfähig. Sie haben alle dazu gezwungen, einen kostenlosen Versand anzubieten. Zuletzt wurden zwei Drittel der online getätigten Weihnachtseinkäufe kostenlos versandt. Vor noch nicht allzu langer Zeit war es noch ein Drittel …» Er verweist auf eine Liste der Online-Unternehmen, die schneller wachsen als Amazon …

Top 10 Fastest Growing E-commerce Retailers – l2inc.com

Top 10 Fastest Growing E-commerce Retailers – l2inc.com

Conversion-Rates, Conversion-Rates, Conversion-Rates

Und auch das Unternehmen Target, das ebenfalls mit dem kostenlosen Versand begonnen hatte, kann eine gute Bilanz vorweisen: «Targets Investition scheint sich bezahlt gemacht zu haben. Im Dezember 2014 ist die Online-Konversionsrate unter den Weihnachtseinkäufern, oder der Anteil der Besuche, die zu Bestellungen geführt haben, auf 58 % gestiegen. Den Daten von Kantar Retail ShopperScape zufolge lag dieser Anteil im Jahr 2010 noch bei 31 %.»

Kostenloser Versand ist keine neue Erfindung

Als Nächstes wird der Schwerpunkt wohl auf dem Versand am gleichen Tag liegen und dann dürfte es nicht mehr lange dauern, bis die Produkte einfach verschenkt werden … Nur damit wir uns richtig verstehen – die Idee vom «Kostenlosen Versand am gleichen Tag» ist nicht neu. Wahrscheinlich wurde dieser Service von Sears im späten 19. Jahrhundert eingeführt und L.L.Bean behauptet sogar, ihn im Jahr 1912 erfunden zu haben – beide Unternehmen sind übrigens immer noch im Geschäft …

Kostenloser Versand muss bezahlt werden

Aber keines der Unternehmen hat diesen Service kostenlos angeboten oder behauptet, dass er etwas anderes sei als das, was er tatsächlich ist – ein Kundenvorteil, für den der Kunde auf die eine oder andere Weise bezahlt. Was mich wirklich aufregt, sind die zahllosen Analysten, die von schon seit langer Zeit bewährten Strategien schwärmen, sie uns als die neueste Innovation zur Margenerhöhung auftischen wollen und so tun, als wären sie schon seit jeher für das digitale Zeitalter gedacht gewesen.

Kostenloser Versand ist Innovationshinderniss

Denn genau dadurch werden echte Innovationen im Keim erstickt und kreative Denkansätze verhindert – und somit auch echter Kundenservice. Und wenn Sie auf die vielen kleinen Hinweise achten, die ich hier und dort eingestreut habe, werden Sie ein ziemlich gutes und realistisches Bild davon erhalten, was wirklich hinter dem ganzen Gerede um Big Data im Online-Handel steckt – und den Hype durchschauen.

China als technologischer Vorreiter

Und das ist noch nicht alles – in China kommt einem die Hauszustellung am gleichen Tag im Vergleich zu der lokalen Neujahrstradition «Hongbao», bei der mit Geld gefüllte Briefumschläge an Freunde und Familienmitglieder geschickt werden, regelrecht langsam vor, da diese Geldgeschenke mittlerweile per Mobiltelefon verschickt werden. Ausschlaggebend ist eben das, was zum Erfolg von Tencent über Alibaba geführt hat: «Eine Fusion mit der staatlichen Rundfunkgesellschaft China Central Television, deren Silvester-Gala die meistgesehene Fernsehsendung des Landes ist. Zu bestimmten Zeitpunkten während der Sendung wurden WeChat-Benutzer dazu aufgefordert, ihre Telefone zu schütteln, um mit etwas Glück Geldgeschenke zu gewinnen.»

Kunden sollten begeistert werden

Es ist an der Zeit, etwas Abstand zu gewinnen, einen Blick auf die Geschäftspläne zu werfen und die Kunden zu verstehen. Sie müssen ein tiefgreifendes Verständnis für Ihre Kunden entwickeln, sie belohnen, ihnen Anreize geben, sie in Aufregung versetzen … Wenn Sie dies nicht tun, werden auch Sie lediglich als ein weiterer Anbieter auf dem Markt betrachtet und wie so viele andere einfach von der Bildfläche verschwinden … Ein abschliessender Denkanstoss … «Vertreter von Macy’s und Home Depot sagten am Dienstag, dass sie immer noch versuchen würden, die festgefahrenen Lieferungen in den Häfen an der Westküste zu entwirren, ein logistischer Albtraum, der sich auf die Händler im gesamten Land auswirkt.»

Es geht um Menschen

Und da haben Sie es: Digital ist alles, aber nicht alles ist digital. Einige sagen, dass es im Einzelhandel vor allem auf den digitalen Faktor ankommt, während andere meinen, dass der mobile Faktor im Vordergrund steht. Ich sage jedoch: Auf die Menschen kommt es an! Schauen Sie sich einmal dieses Zitat an: Die grösste Herausforderung des Handels sind der Mensch und seine Befindlichkeiten. Howard Schultz Letztendlich kommt es nicht auf den Algorithmus, die Benutzeroberfläche oder den kostenlosen Versand an, sondern vielmehr auf die Ware, die Nachfrage, den Service, den Stil – eben auf den Menschen und seine Bedürfnisse. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen, ich muss noch eine Bestellung für eine Tube Zahnpasta aufgeben, die noch heute kostenfrei geliefert werden soll. Ich liebe diesen Service einfach! von David Sable, Global CEO Y&R

Y&R Trends 2015: Silicon Valley Marketing Trends

Die Y&R Group Switzerland zeigt in Kooperation mit Partnered die aktuell relevantesten Trends aus dem Silicon Valley.

Die Highlights der Y&R Trends können als Flyer heruntergeladen werden.

Die heutige Zeit ist geprägt von sich ständig verändernden Markt-, Technologie- und Umfeldbedingungen. Dabei ist es eine grosse Herausforderung, stets auf dem Laufenden zu bleiben. Die Y&R Group Switzerland verfolgt für Sie die Trends im Marketing und Branding. Als Knowledge-Hub mit fundiertem Wissen finden Sie hier relevante Erkenntnisse und Schlussfolgerungen zu brandaktuellen Themen.

Y&R Trends 10 years from now

Markenting Trends 2015 – Präsentation

Hier finden Sie die komplette Präsentation unserer weltweiten Studie “Marketing Trends 2015″. Aus der Digitalisierung resultiert eine Dynamik, welche unterschiedliche Geschäftsfelder in immer kürzeren Zyklen mit neuen Entwicklungen und Gegebenheiten konfrontiert. Drei bedeutende Entwicklungen haben wir für Sie genauer untersucht:

  • Im Bereich Retail gewinnt beispielsweise das Omni-Channel Konzept und mit einher das mCommerce stark an Bedeutung.
  • 2015 ist das Jahr der Wearables. Auch wenn vorbildhafte Use Cases noch selten sind, darf das Potenzial von Wearables nicht unterschätzt werden.
  • Maker Movement hat sich von einem Hobby zu einer bedeutenden Wirtschaftskraft entwickelt und wird die Arbeitsformen in Zukunft stark prägen.

Y&R Trends 2015 – „In 10 years from now, we will…“ from YR GROUP SWITZERLAND Die heutige Zeit ist geprägt von sich ständig verändernden Markt-, Technologie- und Umfeldbedingungen. Dabei ist es eine grosse Herausforderung, stets auf dem Laufenden zu bleiben. Die Y&R Group Switzerland verfolgt für Sie die Trends im Marketing und Branding. Als Knowledge-Hub mit fundiertem Wissen finden Sie hier relevante Erkenntnisse und Schlussfolgerungen zu brandaktuellen Themen Die Highlights der Y&R Trends können als Flyer heruntergeladen werden.

The Game Changer Workshop

»Game Changer Workshop« Schärft Sensorium

Disruptive Querdenker rechtzeitig erkennen

Mit dem Y&R Game Changer Workshop unterstützt die Y&R Group Switzerland Unternehmen dabei, relevante disruptive Technologien, Produkten und Dienstleistungen zu identifizieren, hinsichtlich ihres Impacts zu bewerten, um dann basierend darauf Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.

Disruptive Game Changer erscheinen oft zu spät auf dem Radar der Branchenleader. Vielfach wird die potentielle Gefahr auch marginalisiert. Verpasst das Management das richtige Timing, ist es für eine Reaktion meist zu spät. Manager brauchen deshalb ein feines Sensorium, welche Marktentwicklungen für die Zukunft ihres Unternehmens relevant sind, um nicht selbst zum nächsten Blockbuster, Kodak oder Blackberry zu werden.

Im Rahmen eines halb- oder ganztätigen Workshops bringen Geschäftsleitungsmitglieder und Senior Consultants der Y&R Group Switzerland eine von Organisations- und Strukturzwängen unabhängige, externe Sichtweise in Unternehmen ein, um gemeinsam mit dem jeweiligen Management deren Sensorium für potenzielle Game Changer zu schärfen.

Das Y&R Game Changer Workshop-Programm:

  • Impulsreferat: Game Changer Best Practice
  • Identifikation und Bewertung von Chancen und Gefahren
  • Ableiten der Implikationen und notwendigen Next Steps

Game Changer

Game Changer sind innovative Unruhestifter. Ob Start-up oder Grossunternehmen, sie forcieren die Zerstörung der alten Ordnung zur Schaffung einer neuen. Sie sind disruptive Querdenker mit grossen Ideen, Herausforderer des Etablierten. Sie spielen das Spiel nicht mit, sondern erfinden es neu. Sie sehen Märkte voller unbegrenzter Möglichkeiten, die sie zu ihrem Vorteil neu kombinieren und definieren.

Game Changer sind mutig und rebellisch. Sie haben keinen Respekt davor, sich mit den Grossen der Branche anzulegen. Netflix beispielsweise trat 1997 gegen den Branchenprimus Blockbuster an. Sie revolutionierten den Film-Verleih, indem sie die DVDs per Post statt über ein Filialnetz verliehen. Anfänglich wurden sie von Blockbuster noch ignoriert, später belächelt, doch zuletzt gefürchtet. Heute jedoch boomt Netflix dank Online-Streaming und attraktiven Eigenproduktionen, Blockbuster wiederum ist bankrott.

Haben wir ihr Interesse geweckt?

Kontaktieren sie uns via gamechanger@yr-group.ch